Bericht zum 8. Mai

Auf de.indymedia.org ist ein Bericht zum gestrigen 8. Mai in Demmin erschienen. Wir können uns dem im großen und ganzen Anschließen und geben ihn im Folgenden wieder. Danke an die Autor_innen.

Mehrere hundert Menschen feierten am Dienstag in der vorpommerschen Kleinstadt Demmin den Tag der Befreiung. Gleichzeitig protestierten sie gegen Neonazis, die Jahr für Jahr den Feiertag verunglimpfen und missbrauchen. Bei ausgelassener Stimmung kam es zu mehreren Blockaden und und anderen Aktionen.

Konstant niedrig blieb die Zahl der Neonazis, die am 8. Mai ihren traditionellen „Gedenkmarsch“ in Demmin durchführten und versuchten, die Befreiung vom Faschismus als Katastrophe darzustellen (Warum sie das auch in Demmin nicht war, entnehmt ihr diesem Aufruf.). Etwa 180 Teilnehmer*innen gingen ihre bekannte Route vom Sportplatz zum Hafen, wo sie einen Kranz ins Wasser warfen und dann zurück trotteten. Dabei mussten sie mehrere Sitzblockaden umgehen.

Das Spektrum setzte sich, wie bereits in den Vorjahren, aus regionalen Neonazis mit Zugehörigkeit zu NPD und/oder Kameradschaften, sowie Einwohner*innen zusammen. Der überwiegende Anteil der Marschierenden kam aus anderen Regionen Mecklenburgs aber vor allem Vorpommerns. Die Teilnahme von örtlichen gebundenen oder ungebundenen Faschist*innen war im Verhältnis eher gering. Der Marsch wurde wieder einmal schweigend und mit besonderer Bedacht auf einen traurigen Ausdruck abgehalten.

Anders dagegen die Antifaschist*innen: Seit Wochen mobilisierten das lokale Bündnis Demmin Nazifrei und das landesweite Antifabündnis Befreiung zu Aktionen in der Stadt. In diesem Jahr lag der Fokus der Bündnisse auf dem Feiern des 8. Mai als Tag der Befreiung. Der Ansatz schlug sich in der Mobilisierung deutlich nieder. So sprang etwa kurz vor Ultimo noch die Band Feine Sahne Fischfilet auf den Partyzug auf und sorgte mit einem Spontanauftritt für einen kleinen Mobilisierungsschub und gute Stimmung am Hafen. Auch auf den Straßen der Stadt war der Feiercharakter des 8. Mai deutlich zu spüren. An diversen Stellen wurde Sekt und Konfetti gereicht, zusätzlich wurde auf vielen Kundgebungen entlang der Strecke festliche Musik gespielt. Der traditionelle Stadtrundgang von Demmin Nazifrei wuchs dieses Jahr zeitweise bis auf 700 Menschen an. Mehrere Busse aus kleinen und größeren Städten des Bundeslandes erreichten noch währenddessen die Stadt an der Peene.

Auch die Nazis bekamen von der guten Stimmung etwas ab, als motivierte Antifaschist*innen trotz 800 Bullen und Hamburger Gittern mehrfach die Strecke mit Sitzblockaden belegten. Immer wieder wurde säckeweise Konfetti verteilt und mit Konfettikanonen auf den sogenannten Gedenkmarsch „geschossen“. Im Zusammenspiel mit lauter Diskomusik mutete der Marsch in diesem Jahr besonders absurd an. Auch bei der Kranzniederlegung wurden die Neonazis erneut empfindlich gestört. Feuerwerk von mehreren Seiten des Hafens, lauter Gegenprotest und einige Badegäste sorgten auch hier für einen Gegenpol. Fackeln entzündeten die Neonazis erstmalig nicht.

Natürlich kam es im Verlauf des Tages auch wieder zu unschönen Szenen. Der vermummte und gewaltsuchende Partyschreck Polizei verletzte wieder einmal Antifaschist*innen und griff vereinzelt Menschen heraus. Zudem filmte die Polizei permanent alle Feiernden aus diversen Winkeln. Augenscheinlich setzt die Polizeiführung auch in Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile massiv auf den Einsatz von martialischen BFE-Einheiten. Die wurden erneut im großen Stile etwa aus Bremen oder Niedersachsen angekarrt.

Für die Antifaschist*innen in Demmin kann das bedeuten, dass ihr Widerstand gegen den braunen Mob derart groß und gefährlich ist, dass man sie nur noch mit polizeilichen Spezialeinheiten im Griff hat. Auch das ist eine Form der Anerkennung!

Es kann wohl gesagt werden, dass die diesjährige Strategie der antifaschistischen Akteur*innen voll aufgegangen ist. Anstatt auf martialische Gewaltaufrufe oder vage Blockadeversprechen zu setzen, wurde 2018 die festliche Begehung des 8. Mai als Feiertag fokussiert. Zudem ist auch die Zahl der mobilisierten Antifaschist*innen in unerwarteter und erfreulicher Weise wieder angestiegen. Kritisch muss die starre Auslegung des Konzeptes durch einige Bündnispartner*innen reflektiert werden.

Den Neonazis ist der Gedenkcharakter ihres Marsches in diesem Jahr deutlich entglitten. Die von ihnen intendierte Gruselstimmung kam nicht auf. Sie wurden auch auf dem Rückweg von massiven Protesten begleitet und ihr Fazit kann nur negativ ausfallen.

Die antifaschistische Bewegung in MV hat hingegen mit anderen Methoden zu wirksamen antifaschistischen Aktionen und Protesten in Demmin zurückgefunden und kann hoffentlich auf diesen Ideenreichtum aufbauen. Schon am kommenden Montag will die AfD durch Rostock Lütten-Klein marschieren. Auch das ist ein Pflichttermin für Antifaschist*innen aus dem Bundesland.

Fotos vom Tag

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