Schlagwörter: 8. Mai

Demmin: Спасибо!

Hunderte Menschen feierten den Tag der Befreiung vom Faschismus in Demmin. Wir, das Bündnis Befreiung, schätzen den Tag als erfolgreich ein. Leider überschatteten wieder einmal Fälle von polizeilicher Willkür und Gewalt die Vorgänge. Des weiteren üben wir Kritik am Verhalten von Stadt, Bürgermeister und CDU. Wir bedanken uns bei allen Antifaschist*innen, die mit uns den 8. Mai in Demmin begangen haben.

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Ab geht die Post!

Nur für den Fall, dass ihr vergessen habt, welches Datum heute ist, haben wir es für euch mal fotografisch festgehalten. Nehmt heute genug zu trinken mit, es wird warm werden. Es sind 15 Stunden Sonne angesagt und auch am Abend wird es klar und trocken sein. Infos etc. könnt ihr unter dem Hashtag #8mdm posten.

Die Polizei wird wieder im gleichen Stile wie in den vergangenen Jahren vertreten sein. Dokumentiert Polizeigewalt per Foto und Video und denkt daran: Keine Aussage bei den Cops! Werdet ihr verletzt, lasst eure Verletzungen dokumentieren und meldet euch bei euren örtichen Rote Hilfe Strukturen. Das gleiche gilt bei Anzeigen, Ingewahrsamnahmen oder Verhaftungen. Über Aktionen oder beobachtete Situationen wird nicht gequatscht. Heldengeschichten braucht kein Mensch!

Wir wünschen euch eine spitzenmäßige und stadtweite Feier zum 8. Mai in Demmin. Es heißt: Befreiung! Wer nicht feiert, hat verloren!

Aktionskarte aufgetaucht!

So, da haben wir mal eine Karte zusammengebastelt bekommen. Sieht gut aus und ihr könnt sehen, wo unsere Kundgebungen so liegen. Übrigens am Hafen spielen um 16 Uhr Feine Sahne Fischfilet. Danach gehts von da aus zum Stadtspaziergang. Gegen 17 Uhr starten unsere Kundgebungen und es heißt: Wer nicht feiert hat verloren!

Neubrandenburg <3 Omnibus

Wir freuen uns, dass sich Antifaschist_innen aus Neubrandenburg ebenfalls zu einer koordinierten Anreise nach Demmin entschlossen haben. Neubrandenburg Nazifrei hat einen Bus organisiert, der euch hin und wieder zurück bringt. Los gehts am Neubrandenburger Busbahnhof um 17 Uhr. Tickets gibts für 4 Euro im AJZ NB, im Büro der Grünen (Ja, die mit Balkankrieg und Hartz IV) oder unter 8mai-nb@systemausfall.org. Alles einsteigen!

Die Fahrkarten bitte!

Und zack, da haben wir ein paar Busse für euch organisiert. In Kooperation mit Rostock Nazifrei bieten wir euch einen Bus von Rostock nach Demmin an. Fahrkarten gibts ab Montag (23. April) im Newcomer Café und ebenfalls am Montag auf unserer Infoveranstaltung im Café Median. Wenn ihr fleißig kauft, dann gibts noch einen zweiten Bus. Abfahrtort und -zeit bekommt ihr beim Kauf der Karten.

Auch von Greifswald aus gibt es eine schöne antifaschistische Busfahrt. Karten bekommt ihr ab morgen im Ikuwo. Hier erfahrt ihr auch Abfahrtsort und -zeit. Kaufen und ab zur Party!

Impressionen aus Stralsund

Am Wochenende hatte die Initiative Rock gegen Rechts aus Stralsund zu einer Demonstration und einem Fest gegen rechte Gewalt in der Hansestadt aufgerufen. Auch wir waren da und haben ein bisschen was von unserem Material unter die Leute gebracht. Wir feiern die Menschen aus der Stadt am Sund. Auch sie sind Leute, die sich mit dem rassistischen Normalzustand und dem neofaschistischen Hegemoniestreben im ländlichen Raum nicht abfinden wollen. Fotos von der Aktion findet ihr hier. Weiterlesen

Neonazis wollen marschieren

Nun ist es amtlich: Neonazis wollen am 8. Mai in Demmin aufmarschieren. Auf der Website des NPD-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern ist gestern ein entsprechendes Werbebanner online gestellt worden, dass zum sogenannten „Trauermarsch“ am 8. Mai in Demmin aufruft. Wie bereits in den vergangenen Jahren wollen die Neonazis um 19.30 Uhr loslaufen. Verantwortlich zeichnen die NPD und ihr Jugendverband JN.

Jetzt zählt es! Unterstützt die Strukturen in Demmin und beteiligt euch an den Gegenveranstaltungen gegen den geschichtsrevisionistischen Kartoffelauflauf!

Los geht es!

Es ist kein Aprilscherz, es geht los mit der diesjährigen Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch in Demmin am 8. Mai! Während die Genoss_innen von Demmin Nazifrei schon gestartet sind, wollen wir euch hiermit den aktuellen Aufruf präsentieren. Die ein oder andere Passage mag euch vieleicht von den NLF-Aufrufen bekannt vorkommen, vieles ist jedoch aktualisiert, verbessert und korrigiert worden. In diesem Jahr wird der 8. Mai in Demmin unter dem Motto: „Wer nicht feiert hat verloren!“ stehen. Gönnt euch!

8. Mai Demmin – Wer nicht feiert hat verloren!

Der 8. Mai 1945, Tag der Befreiung vom Faschismus. Dieser Tag ist der bisherige Endpunkt nationalsozialistischer, deutscher Großmachtphantasien. Er markiert das Ende deutschen Rassen- und Vernichtungswahns und den Beginn eines neuen Lebens für die Verfolgten und Unterdrückten. Noch heute wird dieser Tag der Befreiung mit großer Begeisterung weltweit gefeiert. Weiterlesen

Aufruf

8. Mai Demmin – Wer nicht feiert hat verloren!

Der 8. Mai 1945, Tag der Befreiung vom Faschismus. Dieser Tag ist der bisherige Endpunkt nationalsozialistischer, deutscher Großmachtphantasien. Er markiert das Ende deutschen Rassen- und Vernichtungswahns und den Beginn eines neuen Lebens für die Verfolgten und Unterdrückten. Noch heute wird dieser Tag der Befreiung mit großer Begeisterung weltweit gefeiert.

Doch die militärische Niederschlagung der deutschen Volksgemeinschaft und ihrer Kollaborateur_innen hat die Ideologie dahinter nicht zur Gänze brechen können und die gesellschaftlichen Bedingungen, die den Nationalsozialismus hervorbrachten, sind bis heute nicht überwunden. Immer noch versuchen die Fans von Rassismus, Faschismus und Nationalismus die Befreiung vom NS als „Unterjochung“ darzustellen und mit Worten und Taten den vermeintlichen gesellschaftlichen Konsens über diese menschenverachtende Ideologie zu unterhöhlen. Sie machen Unsagbares sagbar und wollen somit Unvorstellbares wieder Tatsache werden lassen.

Im vorpommerschen Demmin werden auch in diesem Jahr Neonazis die Geschichte verdrehen und die Befreiung als Unterdrückung darstellen, dabei hilft ihnen die deutsche Staatsmacht. Und auch nach etlichen Jahren des Widerstands gegen ihren Marsch durch die Peenestadt werden wir wieder da sein, um ihrer falschen Darstellung von der Geschichte und ihrer Menschenverachtung entgegenzutreten.

Zur Geschichte

Am 30. April 1945 rückten die 30. und 38. Panzerbrigade der 2. Weißrussischen Front der Roten Armee in Demmin ein. Den sowjetischen Truppen schlug dabei im Vorfeld Demmins leichter Widerstand entgegen, Verluste sind zu beklagen. Die Kleinstadt an der Peene sollte auf ihrem Weg nach Rostock möglichst zügig passiert werden, jedoch hatten abziehende Wehrmachtsoldaten sämtliche Brücken über Peene und Tollense im Bereich Demmin gesprengt. Nach dem Bau provisorischer Übergängen rückten die Panzerbrigaden am 1. Mai über die errichteten Behelfsbrücken ab, der nachziehende Tross verblieb noch bis zum 3. Mai. Während der Anwesenheit der sowjetischen Truppen in der Kleinstadt kommt es zu Bränden in mehreren Häusern der Stadt. Es ist jedoch nicht geklärt, ob die Feuer beispielsweise durch Hausbesitzer_innen gelegt oder durch Unfälle verursacht worden sind. Darüber hinaus sind Fälle von sexualisierter Gewalt durch sowjetische Soldaten in Demmin bekannt.

Nach Angaben von Beerdigungsverzeichnissen und Sterbebüchern starben in den Tagen vom 30. April bis 3. Mai rund 500 Deutsche in Demmin durch Selbsttötung bzw. Tötung durch Angehörige. Besonders häufig werden die Tötungen durch ertränken in den Flüssen Peene und Tollense vorgenommen.

Fantasialand

1995 veröffentlichte Norbert Buske die von der Landeszentrale für politische Bildung in Mecklenburg-Vorpommern herausgegebene Schrift „Das Kriegsende in Demmin 1945. Berichte, Erinnerungen, Dokumente“. Diese erste Schrift, die sich mit den Geschehnissen in Demmin auseinandersetzte, beruht weitgehend auf Erzählungen deutscher Zeitzeug_innen. Sie gibt mehr als eintausend Opfer der Selbsttötungen an und stellt die Geschehnisse vor allem aus einer konstruierten deutschen Opferperspektive dar. Diese Darstellungen wurden von Medien wie dem Stern oder dem NDR weitgehend unhinterfragt verbreitet und animierten die Neonazis u.a. im darauf folgenden Jahr einen ersten „Trauermarsch“ mit „Totengedenken“ abzuhalten.

Auf den mittlerweile jährlich stattfindenden Märschen wird bewusst die Vorgeschichte der Vorfälle von Demmin verschwiegen. Der von den Deutschen entfesselte Weltkrieg und der nationalsozialistische Vernichtungswahn werden unterschlagen. Mit keiner Silbe wird erwähnt, dass es die Deutschen waren, die dem Aufruf ihrer Führung zum totalen Krieg jubelnd folgten und die Bevölkerung Sowjetrusslands und anderer Staaten versklavten und ermordeten. Stattdessen beruft sich der selbsternannte „Nationale Widerstand“ heute weiterhin bewusst auf die scheinbar unschuldige „deutsche Volksgemeinschaft“, die vor allem Opfer „alliierter Kriegsverbrechen“ geworden sei und deutet damit Täter_innen zu Opfern um.

Unschuldiges Demmin

Dabei ist auch der Mythos der unschuldigen Stadt Demmin unhaltbar. So erreichte die NSDAP bei den Reichstagswahlen im März 1933 fast 54% der Wähler_innenstimmen, konnte sich also einer breiten Basis in dem Städtchen sicher sein. Wie in allen deutschen Städten und Gemeinden wurden Jüdinnen und Juden und andere von den Nazis verfolgte Menschen zunächst gedemütigt und angegriffen, dann in die Vernichtung deportiert. Andersherum wurden während des Krieges Menschen in Stadt und Region zur Zwangsarbeit verschleppt. Von den ersten 125 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in einem provisorischen Lager im Woldeforst nahe der Stadt Zwangsarbeit leisten mussten, überlebte niemand länger als ein Jahr. Später schufteten Kriegsgefangene in Demmin zur Herstellung von Bauteilen für die V2-Raketen, die im nahen Peenemünde entwickelt und getestet wurden.

Auf diese Tatsachen gehen die Neonazis natürlich mit keiner Silbe ein. Und zur Einweihung des Gedenksteins in Erinnerung an die ersten 125 ermordeten Kriegsgefangenen am 17. Mai 2018, werden sie wohl maximal als Störer_innen auftreten.

Ebenfalls verschweigen sie die jahrelange antirussische Propaganda und rassistische Indoktrinierung, die ihre Demminer „Volksgenossen“ damals derart verinnerlichten und teilten, dass sie auch nach Ende der unmittelbaren Kriegshandlungen hunderte Menschen in der Region zu Mördern ihrer eigenen Familien machte und in den Selbstmord trieb. Die nationalsozialistische Massenpsychose als Grund für das irrationale Handeln der Bevölkerung Demmins wird von den Neonazis verdrängt und verschwiegen, schließlich sind auch sie der Propaganda verfallen, die in Mord und Vernichtung führt.

Durch die bewusste Terminierung des „Trauermarschs“ auf den 8. Mai, wird dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus die Legitimität aberkannt. Die Geschichte absichtlich ausblendend, wiederholen die Neonazis an diesem Tag genau das, was damals u.a. auch die Bevölkerung Demmins in den Selbstmord trieb: nationalsozialistische Ideologie und Propaganda. Die Vorfälle in Demmin im Frühjahr 1945 werden dabei als Argument benutzt, um aus dem Sieg über Hitlerdeutschland eine angeblich illegitime Besatzung und Unterjochung des „deutschen Volkes“ zu machen. Damit reihen sich die neuen Nazis direkt in die Tradition der alten ein und beweisen so geistige und praktische Nähe zum Nationalsozialismus: Das heraufbeschworene Volk wird unter Missachtung geschichtlicher Tatsachen und Zusammenhänge zu einem Opfer stilisiert, um daraus eine Legitimation für das eigene Weltbild und Handeln zu ziehen.

Dabei hätte es nicht so kommen müssen, die weitaus größere Stadt Greifswald, wenige Kilometer östlich, wurde kampflos und ohne Opfer an die Rote Armee übergeben. In Demmin hingegen versuchte die Polizei noch kurz vor dem Fall der Stadt Menschen, die die weiße Fahne hissten, zu erschießen.

Karneval der Trauerklöße

Für die Neonaziszene im Nordosten ist die die jährliche Veranstaltung in Demmin neben der Öffentlichkeitswirksamkeit vor allem ein Szeneevent. Man vergewissert sich gemeinsamer Mythen und stilisiert sich zur Kampfgemeinschaft gegen den Zeitgeist und die angebliche Geschichtsschreibung der „Besatzer“ und „Systemmedien“. Fern von Zusammenhängen und Tatsachen drückt sich das Gedenken aus: Der „Trauermarsch“ wird von besonders hundsäugig drein blickenden “Kameraden” im historischen Flüchtlingsschick samt Bollerwagen und Schmutz auf den Wangen angeführt und vom theatralischen Kranzabwurf in die Peene abgerundet. Verantwortlich hierfür zeichnet das NPD- und Kameradschaftsnetzwerk aus Vorpommern.

Auch wenn der Trauermarsch der Neonazis verhältnismäßig klein ist und fast ausschließlich von der regionalen NS-Szene frequentiert wird, so ist er doch Teil einer anhaltenden Kampagne rechter Kräfte gegen die Entlarvung ihrer Ideen als menschenverachtend, unterdrückerisch und mörderisch. Mit dem europaweiten gesellschaftlichen Rechtsruck werden auch diese Lehren über Rassismus, Faschismus und Nationalismus ins Visier genommen. So nutzt der AfD-Nazi Bernd Höcke den gezielten Tabubruch und bezeichnet das Shoah-Denkmal in Berlin als „Denkmal der Schande“, der Fraktionschef der AfD in MV Nikolaus Kramer versendet Bilder mit marschierenden SS-Soldaten und AfD-Bundestagsfraktionschef Gauland ist stolz auf die „Leistungen deutscher Soldaten“ im Zweiten Weltkrieg. Das sind nur Ausschnitte des Umgangs mit der nationalsozialistischen Geschichte, die jedoch alle die Verdrehung, Relativierung oder Verleugnung dieser Geschichte zum Ziel haben. Wird der klare Blick auf den Horror, den der Nationalsozialismus auf der Welt angerichtet hat, verwässert, dann wird der Weg frei ihn zu wiederholen. Dieser Entwicklung müssen wir uns als Antifaschist_innen mit aller Kraft entgegen stemmen.

Habt ihr Lust auf ´ne Party?!

Wir wollen den 8. Mai 2018 in Demmin feiern und damit in der Wahrnehmung des Tages im Ort ein Gegenbild zu dem schaffen, was die Neonazis versuchen zu konstruieren. Gegen die gespenstische Szenerie stellen wir in diesem Jahr gute Laune, denn mit dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus gibt es gehörigen Grund dazu. Für uns ist der Fokus auf das Feiern des 8. Mai eine neue Akzentuierung des Protestgeschehens in Demmin. Nach wie vor begrüßen wir jede Form des direkten antifaschistischen Widerstands und wir sind solidarisch mit jenen, die versuchen wollen den Neonazis jeden Meter Straße im wahrsten Sinne des Wortes zu nehmen. Wir möchten darüber hinaus dafür sorgen, dass der in unserer Wahrnehmung in den Hintergrund getretene Charakter eines Tages der Freude wieder mehr in das Bewusstsein gerückt wird. Wir wollen die sowjetischen Truppen als Befreier Europas vom Faschismus feiern.

Zu diesem Zwecke wird es entlang der Marschstrecke mehrere Kundgebungen als Anlaufpunkte für Euch geben. Es erwarten Euch Musik, hoffentlich viele Genoss_innen und ein historischer deutscher Trachtenumzug zum ausbuhen und aufhalten.

Seid dabei und sorgt dafür, dass der 73. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus ein antifaschistisches Fest in Demminer Straßen wird!